Ein paar Wochen sind vergangen, seit ich Paikea mit kaputter Dieselheizung im kalten Nebel von Hindeloopen zurückgelassen habe. Sonntagnachmittag nach Ostern mache ich mich wieder auf den Weg nach Hindeloopen. Kurz nach Mitternacht komme ich dort an. Es ist bewölkt und zappenduster. Zum Glück ist der Steg fast wie eine Landebahn beleuchtet. So finde ich den Weg zum Boot, ohne im Dunkeln noch unfreiwillig im kalten Hafenwasser baden zu gehen.
An Bord sieht es noch genauso aus, wie ich es zurückgelassen habe. Das Chaos im Innenraum hat sich leider nicht von selbst beseitigt. Aber immerhin: Der Luftentfeuchter läuft noch, es ist trocken, und es riecht nicht muffig. Die Werft hatte mir schon ein paar Tage vorher geschrieben, dass sie inzwischen nach der Heizung schauen konnten. Der Fehler war anscheinend schnell gefunden. Das Gebläse war defekt. Jetzt wird es spannend. Ich drücke den Einschalter, höre kurz darauf das rhythmische Klacken der Dieselpumpe und bin ehrlich erleichtert. Wenig später strömt warme Luft durchs Boot. Ich bin wirklich erleichtert. So kann ich auch die Nacht im Boot verbringen.
Ich beziehe noch das Bett in der Vorschiffskabine, räume den Weg vom Niedergang bis zur Koje frei und öffne mir eine Flasche Rotwein, die ich mir unterwegs noch für einen kleinen Absacker gekauft habe. Und schon bald schlafe ich in meiner warmen Koje.

Der Montag beginnt mit einem Blick durch die Luke in den Hafen. Das Wasser ist spiegelglatt, und die Segelboote am Steg gegenüber präsentieren sich passend zum Wetter in kühlen Blautönen. Ich mache mir Kaffee und Müsli zum Frühstück. Danach fange ich an, zumindest eine Seite des Salons rund um den Tisch freizuräumen. Vieles wandert erst einmal in die Achterkabine. Dann baue ich mein „Boat Office“ auf. Zweieinhalb Wochen muss ich noch arbeiten, bis meine Auszeit wirklich beginnen kann.
Während einer langen Mittagspause fange ich an, mich um das Teakdeck zu kümmern. Der Winter hat es graubraun verfärbt, und an manchen Stellen ist es grün von Moos und Algen. Mit Bürsten, Seife und dem Wasserschlauch mache ich mich ans Werk. Die Bürsten erzeugen zusammen mit Wasser und Seife eine braungrüne Brühe, die sich an manchen Stellen gleich wieder festsetzt. Blätter und andere Baumreste haben die Abläufe verstopft, sodass das Ganze nicht richtig ablaufen kann.
Ich beneide den Mann am Steg gegenüber. Sein Deck ist schlichtes GFK, das er elegant mit dem Hochdruckreiniger bearbeitet, während ich mich mit Bürsten, Seife und Muskelschmalz abmühe. Immerhin ist am Ende der Pause auf der halben Fläche schon wieder Holz zu sehen. Dafür sind Schuhe und Hose nass und dreckig, und die aufgeweichte Haut an meinen Händen hat an der einen oder anderen Stelle Blessuren davongetragen. Nach Feierabend mache ich auf der anderen Seite weiter. Da die Sonne inzwischen schon tief steht, ist es deutlich kühler und ungemütlicher als mittags. Am Ende des Tages bin ich erledigt. So richtig zufrieden bin ich noch nicht.
Am nächsten Morgen ist das Deck abgetrocknet, und die Sonne scheint. Im trockenen Zustand sieht das Ergebnis von gestern schon deutlich besser aus. In der Mittagspause rücke ich mit einer kleinen Bürste den übersehenen Stellen zu Leibe und widme mich auch noch dem Decksaufbau. Als ich am Abend mein Polster hole und mit Sonnenbrille auf meiner Cockpitbank sitze, freue ich mich dann doch über mein wieder ordentliches Teakdeck.
Nach Sonnenuntergang mache ich drinnen weiter. Hier habe ich noch kein vernünftiges System gefunden. Paikea hat nicht viel gut zugänglichen Stauraum. Unter den Salonbänken nehmen Diesel- und Wassertank fast den ganzen Platz ein. Größeren Stauraum gibt es unter den Betten. Um dort hinzugelangen, muss jedes Mal erst die Matratze weg. Ich nehme mir vor, mein Ordnungssystem zu verbessern. Aber nicht jetzt und nicht diese Woche. Heute räume ich erst einmal nur weg und verschiebe das mit der Ordnung aufs nächste Mal.
Ich chatte noch kurz mit Marie von Marietim, die mich beim Bootskauf beraten hat. Sie tröstet mich damit, dass auch GFK eigentlich nicht mit dem Hochdruckreiniger behandelt werden sollte, weil die Oberfläche dadurch rauer wird und später noch mehr Schmutz anzieht. Ein kleiner Trost. Ich werde das dem Nachbarn aber nicht erklären.
Morgen kommt noch der Bootselektriker vorbei. Ich möchte im Cockpit eine 12-Volt-Steckdose haben, um einen zweiten Autopiloten anschließen zu können. Diese zusätzliche Sicherheit gibt mir ein besseres Gefühl, wenn ich allein unterwegs bin.
Noch ist vieles Vorbereitung. Nicht nur am Boot, sondern auch in meinem Kopf. Am 30. April endet mein Arbeitsverhältnis. Es sind noch zweieinhalb Wochen, dann bin ich erst einmal für ein paar Monate frei. Im Moment macht mich dieser Gedanke eher nervös. Ich frage mich, ob ich mir zu viel vorgenommen habe und ob dieses Abenteuer am Ende nicht doch zu groß für mich ist.
Am 1. Mai komme ich mit meiner Partnerin wieder nach Hindeloopen. Wenn das Wetter mitspielt, wollen wir nach Texel segeln und dort ein schönes langes Wochenende verbringen. Danach bringe ich sie zurück nach Hindeloopen. Sie fährt dann nach Hause. Ich bleibe beim Boot. Dann soll es irgendwohin gehen. Eigentlich.
Noch fühlt sich das nach Zwischenwelt an. Nicht mehr ganz im alten Leben und noch nicht unterwegs auf dem Wasser.

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